2 | JUDENPLATZ

Auf den Spuren der ältesten Kapitel in der jüdischen Geschichte der königlichen Stadt Brünn.

Der Vorgänger der Stadt Brünn waren zu Beginn des 13. Jahrhunderts vier eigenständige Siedlungen, die in unmittelbarer Nachbarschaft auf dem Gebiet der heutigen Altstadt unter dem Schutz der Burgstätte der Přemysliden in Petersberg (Petrov) lagen. Neben drei Siedlungen, die von Deutschen, Tschechen und Siedlern aus Flandern bewohnt wurden, gab es hier auch ein kleineres Dorf mit Häusern, die Juden gehörten. Dieses erstreckte sich in Sichtweite des Fürstensitzes zwischen dem späteren Krautmarkt (Zelný trh) und der tschechischen Siedlung, die rund um die heute Josefsgasse (Josefská ulice) gegründet wurde. Die Bedeutung der kleinen Siedlung, die unter dem Schutz des Herrschers stand und die nach Olmütz (Olomouc) zu den ältesten jüdischen Siedlungen in Mähren gehörte, wuchs nach 1243, als König Wenzel I. Brünn die Stadtrechte verlieh. Eigenständige Siedlungen wurden zusammengelegt und – wie es bei königlichen Städten seinerzeit üblich war – mit Stadtmauern eingefriedet. Die damalige jüdische Siedlung war von da an ein Teil des sog. Mönitzer Viertels (Měnínská čtvrt). Sie setzte sich aus einer Ansammlung von Häusern mit einer Synagoge, einer jüdischen Schule, einem Spital und einem Schlachthaus in der Nähe der Judengasse (Židovská ulice) zusammen, die vom Judentor abging, das die Stadtmauer durchbrach.

Zeichnung: Jaroslav Klenovský

König Ottokar II. Přemysl gewährte den Brünner Juden Schutz und setzte ihrer Selbstverwaltung einen christlichen Schöffen vor, der zugleich die Funktion eines jüdischen Schultheißen innehatte. Die Einwohnerzahl im jüdischen Viertel stieg vor allem unter der Herrschaft der Luxemburger, als verfolgte Juden aus deutschen Landen in der Stadt Zuflucht fanden. Laut den Steuerregistern aus dem Jahr 1365 lebten von den rund 8000 Einwohnern etwa 600 bis 800 Juden in Brünn, die dem Herrscher für seinen Schutz beträchtliche Abgaben leisteten. Die Juden in der Stadt betrieben vor allem Handel und bezogen beträchtliche Einnahmen aus dem Verleih von Geld, was dem jüdischen Viertel einerseits zu einer Blüte verhalf, doch andererseits Missgunst bei den Gläubigern aus den Reihen der christlichen Stadtbevölkerung erregte. Das angespannte Zusammenleben überdauerte zwar die dramatische Zeit der Hussitenkriege, doch kurz darauf trat eine unerwartete Wende ein.

Richard Feder

Jan Kapistrán.

Im Jahr 1451 predigte in Brünn der charismatische Franziskanermönch Jan Kapistrán, dessen Ausfälle gegen Häretiker, Hussiten und Juden drei Jahre später zur Ausweisung der jüdischen Bewohner aus allen drei königlichen Städten in Mähren führten. Aufgrund eines Erlasses von König Ladislav Pohrobek verloren die Juden in Brünn dreißig Häuser, die Synagoge und sämtliche verliehene Geldbeträge zuzüglich Zinsen. Das Eigentum wurde von der christlichen Bevölkerung Brünn geplündert und die Synagoge, die auf dem heutigen Romplatz (Římské náměstí) steht, wurde in eine christliche Kirche umgewandelt, die der Hl. Maria Magdalena geweiht ist. Die Brünner Juden fanden Zuflucht in den umliegenden Städten Boskovice, Slavkov, Dolní Kounice, Ivančice sowie Pohořelice, wo sie florierende Gemeinden gründeten.

Brno im Jahr 1650.

Kirche der Hl. Maria Magdalena. Foto © VRN

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