3 | PORTA JUDEORUM

Verschwundene Orte, die mit der jüdischen Besiedelung in Brünn verknüpft sind.

Das bedeutendste Denkmal, das an die mittelalterliche Besiedelung der Stadt Brünn durch die Jüdische Gemeinde erinnert, war bis ins 19. Jahrhundert das Judentor. Seinen Namen verdankt es der gleichnamigen Gasse, die vom Tor zum Untermarkt (Dolní trh), dem heutigen Náměstí Svobody (Platz der Freiheit), führte. Gerade dort erstreckte sich bis zur Vertreibung der Juden aus Brünn unter König Ladislav Pohrobek das jüdische Viertel, das im Namen dieses Ortes auch in den folgenden Jahrhunderten gegenwärtig blieb.

Das Judentor im 19. Jahrhundert. Aquarell F. Richter. Foto © Brno Expat Centre

Das südliche Brünner Tor, durch das die Stadt von Pohořelice und Mikulov aus betreten wurde, wurde kurz nach Beginn der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts als Teil einer ausgeklügelten Stadtbefestigung errichtet. Nach einem Umbau im Jahr 1508, an dem der gebürtige Brünner und einer der größten Bildhauer der Spätgotik Anton Pilgram beteiligt war, galt es als schönstes Tor der Stadt, dem mährische Maler noch in der Romantik ihre Bewunderung zollten.

Das Judentor. Foto © Archiv der Stadt Brünn

An das Tor, das im Jahr 1835 abgerissen wurde, erinnert neben einigen bildhauerischen Fragmenten nur mehr das spätere Relief an der Fassade des Hauses an der Ecke Masarykova-Straße (über dem Eingang des heutigen KFC-Restaurants).

Relief des Jüdischen Tors über dem Eingang. Foto © VRN

Die Stadttore bildeten für die Juden eine unüberwindbare Grenze. Das Betreten der Stadt Brünn blieb ihnen jahrzehntelang unter strengsten Strafen untersagt, und wenn eine Ausnahme gemacht wurde, dann nur zu Geschäftszwecken, bei denen jüdische Händler der Stadt hohe Abgaben leisten mussten. Bei ihrer Ankunft in der Stadt war ihnen nur der Zutritt durch das Judentor gestattet und ihre Waren durften sie nur auf dem Fischmarkt (Rybí trh), dem heutigen Dominikánské náměstí (Dominikanerplatz), feilbieten. Übernachten und einkehren durften sie nur in der Vorstadt, genauer gesamt im Gasthaus „Neue Welt“ in der Kröna (Křenová).

Gasthaus „Neue Welt“. Foto © Archiv der Stadt Brünn

Während des Hochbarock begann sich die Situation allmählich zu ändern, da sich die Landesbeamten bewusst wurden, dass die Wirtschaft der Stadt nicht auf die tüchtigen und zuverlässigen jüdischen Geschäftsleute verzichten kann. Die Vorstadt Kröna zählte bereits zu Beginn des 18. Jahrhunderts 52 jüdische Bewohner und schon ein paar Jahrzehnte später begannen Juden bis nach Brünn vorzudringen. Im Jahre 1750 erhielt der vermögende Geschäftsmann Jacob Moises, der nach seiner Geburtsstätte „Dobruška“ genannt wurde, ein Monopol auf den Verkauf von Tabak. Noch im selben Jahr gründete er auf der Zeile (Cejl) eine Fabrik. Die Zeit der erwachenden Aufklärung kam nach und nach auch weiteren jüdischen Unternehmern aus allen Ecken der Monarchie zugute, die unter Maria Theresia und Josef II. die ersten Fabriken und Betriebe eröffneten. Die Familien Gomperz, Popper und Frankl gehörten zu den ersten, die im folgenden Jahrhundert den Ruhm des jüdischen Brünn begründen sollten.

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